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Die Übung

Die Bedeutung des Atems

Oft wird der Atem unterschätzt, bzw. er spielt für manche Bogenschützen gar keine Rolle.
 

Das ist sehr bedauerlich, denn die natürliche Verbindung zwischen Atem und Bewegung herzustellen, ist einer der wichtigsten Aspekte.
In der Astrologie ist ein Aspekt eine bestimmte Stellung von Sonne, Mond und Planeten zueinander.


Auf unsere Übung übertragen geht es um die Beziehung von Bewegung und Atmung zueinander. Um eine harmonische Koordination herzustellen bedarf es der Konzentration,
Achtsamkeit sowie innerer und äußerer Stille.


Normalerweise erfolgt unsere Ein- und Ausatmung automatisch. Wenn es zu einer Koordination kommen soll, wird die Atmung zu einer bewussten Handlung, die den Bewegungsablauf bestimmt, bzw. an der wir unsere Ein- und Ausatmung erkennen  können. Erfolgt z.B. das Öffnen des Bogens sehr schnell, dann wird daran erkennbar, dass wir entweder gar nicht, oder sehr schnell/hektisch geatmet haben.


Richtig verstanden können wir also sagen, dass unser Atem uns bewegt, leitet und mit Energie erfüllt. Wir werden leicht feststellen, dass unsere Übung verfeinert wird, in der Regel langsamer, behutsamer, weil unser Bewusstsein sich nach innen richtet. Paulo Coelho meint, dass unsere Übung von „Eleganz“ und „Gelassenheit“ geprägt sei. Er meint „Gelassenheit“ kommt aus dem Herzen, „Eleganz“ hat zu tun mit Geschmeidigkeit,  Leichtigkeit, Harmonie und Anmut. Der Weg dahin ist die stetig wachsende Verbindung von Atem und Bewegung.


Im Vordergrund unseres Bemühens steht also nicht die Perfektion des äußeren Ablaufs, sondern das fließende Erleben der Reihenfolge der einzelnen Schritte. Unsere Übung wird
dadurch immer freier von einer Fixierung auf Wirkung oder dem Ergebnis, sondern wird zu einem inneren Erlebnis, in dem Körper, Geist und Lebensenergie miteinander
verschmelzen. So wird der Atem zu einer Kraft, die uns durchfließt, wie der Hasenbach durch unser Tal. Er verändert das Klima unseres Körpers und Geistes, schenkt uns vitale
Kräfte, löst Blockaden und verwandelt dadurch festsitzende, negative Erfahrungen zu heilender Energie, fördert unsere Entwicklung und schafft einen neuen Menschen.


Wie konkret die Koordination von Atem und Bewegung verlaufen kann, wird an anderer Stelle konkret beschrieben.

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Wie oben beschrieben hat das Zusammenspiel von Atem und Bewegung ganz
entscheidenden Einfluss auf unsere Übung und im weiteren Verlauf auf unseren Alltag, da wir die Chance haben, dass neu eingeübte Verhaltensweisen sich auswirken, bzw. sich von selbst übertragen auf andere Situationen.


Es ist mir wichtig darauf hinzuweisen, dass der nachfolgend beschriebene Ablauf der Atemtechnik e i n e von mehreren Möglichkeiten ist und überhaupt nicht den Anspruch erhebt, die einzig richtige zu sein.


Nachdem wir den richtigen Stand, die richtige Schussposition gefunden haben, werden die Pfeile in die Gürteltasche gesteckt.
Ruhig stehen, auf die Körperhaltung schauen, Einatmen (EA), dann
Ausatmen (AA) und dabei Kopf drehen zur Pfeiltasche und bewusst einen Pfeil nehmen.
EA den Pfeil an der Nocke fassen und von hinten auf den Bogen schieben
AA den Pfeil annocken

EA in Grundposition gehen, AA darin verharren

EA Kopfdrehung zum Ziel
 
AA den Bogen öffnen, am Ende des AA im Mundwinkel ankommen, gleichzeitig ist das Ende der Bewegung von Zug- und Bogenhand erreicht.

In der völligen Stille, wenn gar nichts mehr geschieht, löst sich der Schuss, jetzt
EA während des Nachhaltens.
AA beide Arme, lösen sich, kommen herunter, Schultern fallen lassen, Hände finden sich im Bereich des Bauchnabels.
EA total entspannen,
AA zum nächsten Pfeil greifen, oder eine komplette Zwischenatmung einlegen, dann nächster Pfeil.

Selbstverständlich ist ein anderer Atemfluss möglich.


z.B. alles wie oben beschrieben bis zur Grundposition, dann AA zum Ziel schauen, EA den Bogen öffnen, in der Atemfülle im Anker ankommen, einen Moment verharren in der Atemstille den Pfeil lösen, dann AA,
dabei nachhalten und im AA bleiben bis zum Ende.

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